Hinweise zur Hüftgelenksoperation

Wichtige Maßnahmen vor, während und nach der Gelenkersatzoperation

Im Folgenden möchte ich Ihnen einen ungefähren Ablaufplan für die wichtigsten Maßnahmen bei der Durchführung eines künstlichen Hüftgelenkersatzes an die Hand geben. Je nach Alter, Gesundheitszustand des Patienten und Operationsablauf sind Abweichungen von diesem Zeitplan möglich:

Patientenzimmer in der ATOS Klinik Heidelberg

Wochen vor der Operation

  • Ärztliche Untersuchung sowie Indikations- und Informationsgespräch
  • Planungsröntgenbilder, Laborkontrolle, ggf. weitere apparative Diagnostik
  • Überprüfung der Operationsfähigkeit durch den Hausarzt und / oder Internist im CheckUp mit der Einstellung möglicher Begleiterkrankungen bzw. Medikamenten-Anpassung
  • Planung der Operation durch den Operateur

Tage vor der Operation

  • Einchecken in der Klinik, Bezug des Zimmers
  • Aufklärungsgespräch
  • Narkosegespräch

Am Operationstag

  • Nüchtern bleiben (kein Rauchen, keine Nahrungsaufnahme)
  • Antibiotikaschutz
  • Mehrfache Kontrolle des Blutverlustes, eine Gabe von Blutkonserven ist in aller Regel nicht notwendig
  • Mehrfache Kontrolle der Schmerzsituation
  • Post-operative Überwachung (Aufwachraum, Überwachungszimmer oder Station)
  • Aufstehen aus dem Bett in aller Regel unter Vollbelastung mit dem Operateur
  • Medikamentöse Vorbeugung von Blutgerinnseln (Thrombose, Embolie)

Tag nach der Operation

  • Physiotherapeutische Behandlung mit Aufstehen aus dem Bett
  • Bestätigung des Reha-Antrags durch die OP-Koordination
  • Erster Verbandswechsel / Drainagen werden in der Regel keine eingelegt

Ab dem 2. Tag nach der Operation

  • Physiotherapeutische Behandlung
  • Gangschule mit Hilfsmitteln und Physiotherapeuten/in
  • Selbständiges Aufstehen und Gehen auf Stationsebene
  • Treppensteigen mit Physiotherapeuten/in
  • Röntgenkontrolle

5-10. Tag nach Operation bzw. nach Erreichen der Entlassungskriterien

  • Entlassungsgespräch
  • Überprüfung der Hilfsmittelversorgung und Dokumente
  • Entlassung nach Hause oder Direktverlegung in die Reha-Klinik

Professor Bitsch, was sind Ihre Tipps für mich und die anstehende Operation?

  • Sie sind ein aktiver Partner, der die Behandlung mitgestaltet! Übernehmen Sie entsprechend Verantwortung für Ihre Gesundheit
  • Schieben Sie die Operation nicht zu lange auf, ein bestehendes Defizit an Kraft und Beweglichkeit muss auch mit dem Kunstgelenk erst mühsam wieder erarbeitet werden.
  • Sanieren Sie mögliche Entzündungsherde rechtzeitig vor der Operation (Zähne, Haut, HNO-Region, Atemwege, Magen-Darm-Trakt, Harnwege)
  • Machen Sie einen Check-Up bei Ihrem Hausarzt oder Internisten mit möglichst aktueller Laborkontrolle inklusive der Entzündungswerte
  • Bringen Sie alle aktuellen medizinischen Unterlagen und Röntgenbilder bei Ihren Besuchen mit
  • Berichten Sie aktiv über die Medikamente die Sie einnehmen, Allergien und Unverträglichkeiten
  • Berichten Sie aktiv über Auffälligkeiten bezüglich Ihrer Blutgerinnung mit Blutungs- oder Thromboseneigung
  • Wählen Sie ein bewährtes Implantat, fragen Sie nach den Standzeiten in den Registern
  • Wählen Sie einen erfahrenen Operateur, fragen Sie nach der Operationshäufigkeit
  • Achten Sie darauf, dass wenn möglich eine Teilprothese oder möglichst wenig gekoppelte Knieprothese verwendet wird und möglichst viel Ihrer natürlichen Gelenkfunktionen erhalten bleiben
  • Achten Sie auf Erfahrungen mit minimal-invasiven Operationstechniken
  • Achten Sie auf ausreichend Personal und ein angenehmes Umfeld bei Ihrer Behandlung
  • Erneuern Sie ggf. am Operationstag die Markierung des Gelenks nach der Körperpflege
  • Lassen Sie sich in den ersten Tagen nach der Operation ausreichend mit Schmerzmittel versorgen
  • Halten Sie sich an die Ratschläge des Fachpersonals und geben Sie aktiv Rückmeldung
  • Lassen Sie sich in der anschließenden Rehabilitationsmaßnahme nicht ausbremsen, das Bewegungs- und Funktionsausmaß sollte kontinuierlich in Ihrem individuellen Tempo gesteigert werden
  • Beachten Sie die lebenslangen Vorsichtsmaßnahmen für Prothesenträger
  • Bleiben Sie aktiv und nutzen Sie die Möglichkeiten durch Ihr Kunstgelenk

Kommen Sie zu mir, in das Deutsche Gelenkzentrum in der ATOS Klinik Heidelberg dann bin ich sicher, dass alle beschriebenen Punkte befolgt werden!

Vorsichtsmaßnahmen für Prothesenträger: auf was ist mit dem Kunstgelenk zu achten?

Folgende allgemeine Hinweise für den Alltag mit Ihrem Kunstgelenk möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben:

Bevor Sie Ihre Lebensqualität dauerhaft einschränken sollten Sie sich bezüglich der Arthrose-Therapieoptionen beraten lassen
  • Wählen Sie Sportarten, die wenig Verletzungsrisiko, Gewichts- und Stoßbelastung für das betroffene Gelenk verursachen (z. B. Schwimmen, Wassergymnastik, Radfahren, Nordic Walking, Skilanglauf, Fitnesstraining, etc.)
  • Optimieren Sie Ihr Körpergewicht: Als Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts kann der „Body Mass Index (BMI)“ errechnet werden: BMI = Körpergewicht (in Kilogramm) / (Körpergröße x Körpergröße) (in Metern). Der Wert sollte beim Erwachsenen 30 kg/m2 (leichtes Übergewicht) nicht überschreiten
  • Vermeiden Sie dynamische Maximalbelastungen (Stöße, Sprünge, Verdrehungen), körperlich einseitige Belastung (z. B. übermäßig langes Stehen und Gehen), das andauernde Heben und Tragen von schweren Lasten sowie sturzgefährdete Tätigkeiten
  • Bitte beachten Sie, dass alle offenen Stellen, Wunden (auch bei operativen Eingriffen) und Entzündungen im Körper zu Prothesenentzündung und -vereiterung (periprothetische Infektionen) führen können (z.B. eitrige Zähne oder Zehennägel, Geschwüre an den Beinen). Entsprechende Erkrankungen sollten rasch und ggf. unter Verwendung eines Antibiotikums behandelt werden, um eine Verbreitung von Bakterien über die Blutbahn zu vermeiden. Häufige „Streuherde“ sind: Zähne, Haut, HNO-Region, Atemwege, Magen-Darm-Trakt, Harnwege
  • Eine regelmäßige Körperhygiene, Haut- und Fußpflege ist von großer Bedeutung
  • Bei hoher beruflicher Belastung sind entsprechende Unterstützungsmaßnahmen erforderlich – wir beraten Sie gerne!
  • Achten Sie in hohem Alter darauf, mögliche Stolperstellen (Türschwellen, Teppichkanten, etc.) in Ihrem Haus und Umfeld zu reduzieren