Hüft TEP vs. Kurzschaftprothese

15. November 2020 | Aktuelles

ATOS NEWS Ausgabe Nr. 36: Kurzschaftprothesen (künstliche Hüfte, Totalendoprothese, Hüft TEP) für junge Patienten - Knochensparen ohne Risiko?

Aufgrund der höheren Lebenserwartung und des höheren Aktivitätsniveaus jüngerer Patienten mit einer schwerer Hüftarthrose (Coxarthrose) ist das Risiko für zukünftige Wechseloperationen eines Hüftgelenksersatzes (künstliche Hüfte, Totalendoprothese, Hüft TEP) größer als bei älteren Patienten. Deshalb sind hier besondere Maßstäbe bei der Auswahl der Prothesenkomponenten des künstlichen Hüftgelenkes anzulegen. 

In einem Artikel in der aktuellen ATOS NEWS - Oktober 2020 nehme ich Stellung zu diesem Thema.

Insbesondere die Gleitpaarung, d.h. das Material der sich gegeneinander bewegenden Komponenten einer Hüftprothese (Hüftkopf und Pfanneninsert), hat bei jüngeren Patienten besondere Bedeutung. Spezielle Keramiken finden hier bevorzugt Verwendung, denn diese Gleitpaarung des künstlichen Hüftgelenkes bietet beste Voraussetzungen für ein abriebarmes Verhalten über lange Zeiträume.

Weiterhin spielt das Modell der Hüftprothese eine große Rolle für ein gutes Langzeitergebnis. Neben den seit Jahrzehnten bewährten Totalendoprothesen in normaler Länge, die von fast allen Prothesenherstellern als Standard mit sehr guten Standzeiten angeboten werden, wächst der Anteil der sogenannten Kurzschaftprothesen kontinuierlich.

Als Vorzüge dieses relativ neuen Prothesenkonzeptes werden vor allem die Verankerung in oberen Knochenanteilen mit weniger Knochenverlust, die proximale (gelenknahe) Kraftübertragung und damit die Vermeidung von Knochenabbau (Stress Shielding), die optimale Rekonstruktion der Gelenkgeometrie und die Möglichkeit einer minimalinvasiven Hüft-OP (weichteilschonenden Implantationstechnik) genannt. Diese Vorteile machen Kurzschäfte gerade für junge Patienten mit guter Knochenqualität interessant.

Den erhofften Vorteilen der Kurzschaftprothesen bei der Coxarthrose-Behandlung stehen jedoch auch Bedenken gegenüber, die sich aus der kurzen Verankerungsstrecke und den damit verbundenen besonders hohen Anforderungen an die Fixation im Knochen ergeben. Kurzschaftprothesen müssen zudem als heterogene (uneinheitliche) Prothesengruppe verstanden werden und können in schenkelhalsentfernend, -teilerhaltend und -erhaltend eingeteilt werden. Es bestehen damit unterschiedliche biomechanische Konzepte mit mehr oder weniger Sicherheitsreserven bezüglich der Verankerung.

UNSER VORGEHEN: Am DEUTSCHEN GELENKZENTRUM in der ATOS Klinik Heidelberg werden ausschließlich Implantate mit hervorragenden Langzeitdaten in den großen Implantat-Registern verwendet. Es erfolgt eine individuelle Beratung und Nutzen-Risiko-Abwägung bezüglich des zu verwendenden Hüftprothesen-Modells und der Gleitpaarung. Die Auswahl der optimalen Hüft-Totalendoprothese erfolgt dabei nach patientenindividuellen, medizinischen, atomischen und knochenqualitativen Faktoren sowie nach neusten Erkenntnissen aus der Endoprothetik. Jungen oder biologisch jung gebliebenen Patienten steht auch ein gelenknah verankerndes, schenkelhalsteilerhaltendes Kurzschaftprothesenmodell (Optimys-Schaft der Firma Mathys aus der Schweiz) zur Verfügung.

FAZIT Bei richtiger Indikation (Heilanzeige) und bei korrekter Anwendung ausgewählter Kurzschaftprothesen gibt es eine gute Behandlungsstrategie für den Hüftgelenksersatz junger Patienten, die ein knochensparendes Vorgehen ohne erhöhtes Risiko ermöglicht.

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    Schmerzfreie Mobilisation mit künstlichem Hüftgelenk.
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    Eine gute Zusammenarbeit von Physiotherapeut und Operateur ist unerlässlich.
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    Impressionen aus dem Operationssaal bei einer minimalinvasiven Hüft-OP (AMIS Hüfte).
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    Die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes ist eine Präzisionsarbeit.
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    Aufklärungsgespräch vor Hüft-TEP am DEUTSCHEN GELENKZENTRUM in Heidelberg.
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    Klärung aller noch offenen Fragen vor der Operation eines künstlichen Gelenkes mit dem Operateur.
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    Röntgenaufnahmen einer Kurzschaftprothese (optimys - Mathys AG Bettlach) in 2 Ebenen.
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    Verankerungsprinzipien: Das konische Design (rot), die anatomische Kurvatur des Implantates am Kalkar (grün) und die distale Abstützung der Prothesenspitze im sich verengenden Markkanal (lila).