Schlittenprothese / Unikondyläre Knieprothese bei Gonarthrose

Informationsvideo: Schlittenprothese / Unikondyläre Knieprothese bei Gonarthrose

Video vom YouTube Kanal – Prof. Bitsch Endoprothetik Gonarthrose Coxarthrose:
In diesem Video erklärt Ihr Hüft- und Kniespezialist Prof. Dr. med. Rudi G. Bitsch was man unter einer Schlittenprothese versteht, wann man diese implantieren kann und welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind.

Häufig gestellte Fragen meiner Patienten zur Gonarthrose-Therapie mit Schlittenprothese

Was ist eine Schlittenprothese?

Unter einer Schlittenprothese versteht man eine spezielle kleine, halbseitige Knieprothese (auch unikondylärer Gelenkersatz, unikondyläre Knieprothese, Knieteilprothese oder Hemischlitten genannt) für den teilweisen Gelenkersatz nur einer Gleitrolle auf der Knie-Innenseite (medial) oder Außenseite (lateral). Dabei werden nur die wirklich von der Arthrose betroffenen Gelenkabschnitte ersetzt und der Großteil des Kniegelenkes wie die andere Gleitrolle, die Kniescheibe und die Kniebänder bleiben erhalten (Abbildung 1).

Wie wird eine Schlittenprothese eingesetzt?

Die Implantation einer Schlittenprothese erfolgt in der Regel mit einer minimal invasiven Operationstechnik. So ist die Operation mithilfe eines relativ kleinen Hautschnittes möglich, der neben der Kniescheibe über der betroffenen Knieseite durchgeführt wird. Weiterhin wird die Kniegelenkskapsel ebenfalls nur auf kurzer Strecke von vorne über der betroffenen Knieseite geöffnet. Alle Kniegelenksbänder ebenso wie die andere Kniegelenksseite und das Kniescheibengelenk bleiben bei der Operation erhalten.

Schlittenprothese ja oder nein – ist eine Schlittenprothese für mein Knie geeignet?

Diese Frage kann hier leider nicht online und in wenigen Sätzen beantwortet werden, sondern bedarf einer individuellen Untersuchung und Beratung. Bitte vereinbaren Sie einen Termin in meiner Sprechstunde, ich informiere Sie sehr gerne ausführlich zu diesem Thema!

Abbildung 1: Schlittenprothese und entsprechendes Röntgenbild
Oxford Schlittenprothese (links) mit mobilem Polyethylen Gleitlager (weiß) und daneben das Röntgenbild eines Kniegelenkes mit Oxford Schlittenprothese und Zementfixierung auf der Innenseite (medial).

Was sind die Vorteile einer Schlittenprothese?

Der wesentliche Vorteil der Schlittenprothese liegt im Erhalt des vorderen Kreuzbandes und damit einer normalen Kniebeweglichkeit (physiologische Kinematik) und Funktion des Gelenkes. Zudem handelt es sich um eine kleinere und schnellere Operation, die im Vergleich zum kompletten Kniegelenksersatz mit weniger Gewebsverletzung (minimal invasiv) und über einen kleineren Zugang operiert werden kann. Diese Faktoren führen normalerweise schnell nach der Operation zu sehr zufriedenen Patienten ohne Verlust der Belastbarkeit im Alltag und beim Sport.

Was sind die Nachteile einer Schlittenprothese?

Der Nachteil von Schlittenprothesen besteht in der Versorgung nur einer Kniegelenkshälfte mit künstlichen Oberflächen, d.h. im relativ seltenen Fall der Ausbreitung der Arthrose auf das ganze Kniegelenk muss ggf. im Verlauf auf ein komplettes künstliches Kniegelenk (Knie-Totalendoprothese, Oberflächenersatzprothese) umgestiegen werden (Abbildung 2).

Wann ist eine Schlittenprothese nicht mehr möglich?

Eine Schlittenprothese ist immer dann nicht möglich, wenn das ganze Kniegelenk oder der Kapselbandapparat von einer Erkrankung betroffen sind. So darf z. B. keine Instabilität der Kreuzbänder oder der Seitenbänder (Kollateralbänder), kein Knorpelschaden in der zentralen, gegenseitigen Kniegelenksrolle (kontralateralen Femurcondylus) oder hinter der Kniescheibe (Retropatellararthrose) und keine zu starke Deformation des Kniegelenkes bestehen. Weiterhin sind systemische Erkrankungen wie zum Beispiel entzündlich-rheumatische Erkrankungen eine Gegenanzeige (Kontraindikation). In solchen Fällen muss auf ein komplettes künstliches Kniegelenk (Knie-Totalendoprothese, Oberflächenersatzprothese) umgestiegen werden (Abbildung 2).

Abbildung 2: Kniegelenksendoprothese und entsprechendes Röntgenbild
Attune Knie-Voll-Prothese (links) mit fixiertem Polyethylen Gleitlager (gelblich) und daneben das Röntgenbild eines Kniegelenkes mit Attune Knieprothese, Zementfixierung und noch nach der Operation einliegenden Hautklammern.

Wie ist die Haltbarkeit einer Schlittenprothese?

Die Haltbarkeit von Schlittenprothesen kann in erfahrenen Händen der Haltbarkeit von Totalprothesen entsprechen – im Allgemeinen bestehen jedoch deutlich schlechtere Langzeitergebnisse. Diese hängen stark vom verwendeten Implantat, dem Patientenalter und der Erfahrung des Operateurs ab, mit einem 10-Jahres-Risiko für Wechseloperationen von 14,4% im Australischen Register 2019 (Abildung 3).

Was ist eine Oxford Schlittenprothese?

Die Schlittenprothesen werden in zwei Hauptgruppen unterschieden, die sogenannten Mobile-bearing- und Fixed-bearing-Prothesensysteme. Bei der ersten Variante ist das einliegende Kunststoffgleitlager beweglich, während die zweite Bauform der Schlittenprothese über ein Inlay verfügt, das auf der Unterschenkelkomponente fixiert werden muss. Die Oxford Schlittenprothese gehört zu den Mobile-bearing-Schlittenprothesen und ist das Implantat aus dieser Hauptgruppe, das schon lange verwendet wird und in vielen Studien getestet und nachuntersucht wurde.

Zu beachten sind hierbei die Vorteile von Mobile-bearing-Schlittenprothesen und damit auch der Oxford Schlittenprothese: Ein besonders geringer Inlay Verschleiß und die Möglichkeit die Schlittenprothese aufgrund der geringen Scherkräfte auch ohne Zement im Knochen zu verankern. Die Nachteile von Mobile bearing- Schlittenprothesen bestehen in einer anspruchsvolleren Operationstechnik und dem Risiko das mobile Inlay zu luxieren (auszurenken).

Wer hat Erfahrung mit der Implantation einer Schlittenprothese?

In meiner über 15-jährigen Ausbildung an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg bei Herrn Professor Ewerbeck, einen ausgewiesenen Endoprothetik Experten, habe ich große Erfahrung mit Schlittenprothesen sammeln dürfen. Die Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg pflegt seit vielen Jahren eine enge Partnerschaft und wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der University of Oxford und den Entwicklern der Oxford Schlitten Prothese. Heidelberg gilt als das deutsche Ausbildungszentrum, das seit über 20 Jahren regelmäßig die Heidelberger Uni-Knie-Kurse veranstaltet.

Abbildung 3: Das Risiko für eine Wechseloperation nach Schlittenprothese
Im Schaubild wird das Risiko für eine Wechseloperation nach der Implantation einer Schlittenprothese über der Zeit aufgetragen. Das Risiko für eine Wecheloperation einer Schlittenprothese ist stark abhängig vom Patientenalter, dem verwendeten Implantat, der Fixierungstechnik und der Erfahrung des Operateurs.

Wie lange bin ich krank nach Schlittenprothese? Wie lange sollten Stöcke bzw. Unterarmgehstützen nach Schlittenprothese benutzt werden?

Prinzipiell sollte mit einer Rehabilitationsphase von ca. 4-6 Wochen gerechnet werden, in der die Physiotherapie im Vordergrund steht und ggf. auch Arbeitsunfähigkeit besteht. Es gibt keine festen Zeiten für die Benutzung von Stöcken oder Unterarmgehstützen, hier steht das Sicherheitsgefühl der Patienten im Vordergrund. Nach 6 Wochen kann dann schrittweise zum eigenen Sportprogramm übergegangen werden. Ich empfehle zunächst das Ausdauertraining und die Kräftigung sowie Übungen zur Verbesserung von Gelenkstabilität und Koordination bevor dann wieder das eigene Sportprogramm begonnen werden kann.…

Ab wann kann ich wieder Autofahren nach Schlittenprothese?

Es handelt sich hierbei nicht nur um ein medizinisches Problem, sondern vielmehr um ein juristisches: Verkehrstüchtigkeit besteht dann, wenn man in der Lage ist ein Fahrzeug über längere Zeit und auch bei plötzlich auftretenden Ereignissen sicher im Straßenverkehr zu steuern und zu beherrschen. Es gibt für dieses sichere Beherrschen keinen festen allgemeingültigen Zeitraum nach der Implantation einer Schlittenprothese. Ich empfehle erst dann Auto zu fahren, wenn man frei, sicher und ohne Hilfsmittel auch im unebenen Gelände und auf der Treppe gehen kann.

Wie hoch ist der Grad der Schwerbehinderung mit einer Schlittenprothese?

Es wird ein Mindest-Grad der Schwerbehinderung angegeben, die für künstliche Gelenke bei bestmöglichem Behandlungsergebnis gelten. Für eine Schlittenprothese gibt es eine eigene Kategorie:

Bei einseitiger Teilendoprothese beträgt der GdS mindestens ………….. 10

Bei beidseitiger Teilendoprothese beträgt der GdS mindestens…………. 20

Bei eingeschränkter Versorgungsqualität sind höhere Werte möglich. Die Versorgungsqualität kann insbesondere beeinträchtigt sein durch Beweglichkeits- und Belastungseinschränkung, Nervenschädigung, deutliche Muskelminderung oder ausgeprägte Narbenbildung was bei Schlittenprothesen als selten gelten darf.

Abbildung 4: Sport mit Schlittenprothese
Über 90% der Patienten mit Schlittenprothese kehren zurück zum Sport.

Sport mit Schlittenprothese

Ab wann kann ich wieder Sport treiben und welche Sportarten sollten vermieden werden? Wie lange dauert der Muskelaufbau mit Schlittenprothese?

Große Studien zu diesem Thema konnten zeigen, dass ca. 90 % der Patienten mit Schlittenprothesen wieder zu ihrem Sportprogramm zurückkehren und regelmäßig Sport treiben. Die sportliche Aktivität mit Schlittenprothese lag nur gering unter der Aktivität, die vor Beginn der Arthrose berichtet wurde. Weiterhin wurde die Anzahl der verschiedenen durchgeführten Sportarten eher reduziert, wobei die Trainingsdauer und -frequenz unverändert blieb. Bei den praktizierten Sportarten wurden meist Low-impact Sportarten wie Wandern, Radfahren, Schwimmen, Golf oder Tanzen betrieben. High-impact Sportarten wie alpines Skifahren und Ballsportarten wurden eher vermieden. Dieses Verhalten deckt sich mit meinen eigenen und den allgemeinen Empfehlungen der Fachgesellschaften. Eine Studie aus der Schweiz berichtete im Kontrast dazu allerdings auch, dass über 20 % der Schweizer Patienten mit Schlittenprothesen regelmäßig alpin skifahren.

Der Muskelaufbau nach Schlittenprothese und damit die Dauer bis zur Rückkehr zum Sport ist individuell sehr verschieden. Mit dem Krafttraining und dem Fahrradergometer-Training wird meist schon in den ersten Wochen im Rahmen der Rehabilitationsmaßnahmen begonnen (Abbildung 4).

Gerne berate und untersuche ich Sie bei allen Hüft- und Kniebeschwerden oder Fragen zum künstlichen Gelenk. Sie finden mich in unserer Praxis, dem DEUTSCHEN GELENKZENTRUM, in der ATOS Klinik Heidelberg.

Rufen Sie einfach an, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren: 06221 983–180.

Ihr

Prof. Dr. med. Rudi G. Bitsch
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie,
Spezielle orthopädische Chirurgie

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